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fact_check Funktionsbaustein: Nachweisdatenabruffeedback

EigenschaftWert
KennungDArch-FBS-NDA
HauptfähigkeitInfrastruktur und IT-Betrieb
GeschäftsfähigkeitKommunikationsinfrastruktur
KategorieE-Gov-Basisdienste
Version0.3 (11.05.2026)
StatusEntwurf – produktive Lösungen im Aufbau (NOOTS MVP 2026)
ProjektleitungFITKO
BetriebBVA (zentrale Lösung, SaaS)
GovStack-MappingDigital Registries Building Block, Consent Building Block (tw.)
ReferenzstandardsSDG-VO (EU 2018/1724), RegMoG, OZG 2.0
OZG-RahmenarchitekturFunktionsbaustein „Abruf und Bereitstellung von Daten und Nachweisen"
Referenz GIBGemeinsame IT des Bundes: Dienst Datensafe

summarize 1 Management Summaryfeedback

Der Baustein „Nachweisdatenabruf" umfasst Funktionalitäten zum automatisierten Abruf von Daten und Nachweisen, die im Rahmen der Antragstellung notwendig sind und beispielsweise einem Antrag beigefügt werden müssen. Er verfügt über definierte Schnittstellen nach außen, die transparent für die Nutzenden Daten und Nachweise liefern. Es handelt sich um eine essenzielle Basisfunktionalität für die zukünftige antragslose und nutzendenzentrierte Verwaltung.

Dieser Baustein fokussiert sich auf den Registerpfad (NOOTS): den automatisierten Abruf von Nachweisdaten direkt aus Registern über das National Once Only Technical System (NOOTS) – die Behörde ruft Daten mit Einwilligung der Nutzenden selbst ab.

Steckbrief Funktionsbaustein Nachweisdatenabruf – NOOTS-Registerpfad, Kernfunktionalitäten und Betriebsmodell

1.1 Wertversprechenfeedback

  • Daten und Nachweise werden unmittelbar von autorisierter Quelle (z. B. einem Register) abgerufen.
  • Nachweiserbringende Register können über standardisierte Schnittstellen angebunden werden.
  • Hohe Qualität bei Daten aus vertrauenswürdigen Quellen erleichtern und beschleunigen Antragsprozesse.
  • Der Datenaustausch funktioniert künftig auf nationaler sowie europäischer Ebene.
  • Der Datenaustausch schließt künftig weitere vertrauenswürdige Quellen ein (z. B. elektronische Grundbücher).

1.2 Kundenerwartungenfeedback

  • Medienbruchfreie Datenübermittlung von Nachweisen aus Registern
  • Beschleunigung von Antragsverfahren durch Minimierung von Interaktionen und Reduktion von Liegezeiten

1.3 Zielgruppenfeedback

Behörden und Institutionen aller Ebenen, die in Genehmigungsprozessen Nachweise von Antragstellern benötigen, über die die Verwaltung an anderer Stelle bereits verfügt.

1.4 Betrieb und Finanzierungfeedback

AspektDetails
BetriebsszenarioZentrale Lösung: SaaS durch BVA
FinanzierungsmodellVollfinanzierung durch IT-Planungsrat
VertriebskanäleDVC: Marktplatz Deutschland digital · VITD-Produktkatalog ITZBund · Portal der Deutschland-Architektur

1.5 Ansprechpartnerfeedback

RolleOrganisation
ProjektleitungFITKO
BetriebsdienstleisterBVA
Nachweise über die EUDI-Wallet

Neben dem Registerpfad können Nachweise auch als Verifiable Credentials in die EUDI-Wallet geladen und von Bürger:innen selbstbestimmt vorgelegt werden. Dieser Wallet-Pfad wird im Funktionsbaustein Digitale Brieftasche (DBT) beschrieben.

description 2 Beschreibungfeedback

Der Baustein beschreibt die technische und organisatorische Infrastruktur, über die Nachweisdaten automatisiert aus Registern abgerufen und an Fachverfahren übermittelt werden. Die Architektur folgt dem Once-Only-Prinzip: Daten, die der Verwaltung bereits vorliegen, müssen von Bürger:innen und Unternehmen nicht erneut eingereicht werden. Stattdessen werden sie direkt aus dem zuständigen Register abgerufen – mit Einwilligung der betroffenen Person.

2.1 Registerpfad (NOOTS)feedback

Der Registerpfad geht auf das Once-Only-Prinzip zurück, das die EU mit der Single Digital Gateway Verordnung (SDG-VO, EU 2018/1724) im Jahr 2018 verankert hat. Die SDG-VO verpflichtet die Mitgliedstaaten, ein technisches System aufzubauen, über das Nachweise grenzüberschreitend und automatisiert zwischen Behörden ausgetauscht werden können – das EU Once Only Technical System (EU-OOTS). In Deutschland wurde das Prinzip durch das Registermodernisierungsgesetz (RegMoG) von 2021 national verankert. Das RegMoG schafft die Grundlage für die Einführung einer einheitlichen Identifikationsnummer (IDNr) als registerübergreifendes Ordnungsmerkmal und für die Vernetzung der ca. 375 deutschen Register.

Die operative Umsetzung liegt bei der FITKO (Föderale IT-Kooperation), die im Auftrag des IT-Planungsrats das National Once Only Technical System (NOOTS) entwickelt. NOOTS ist die deutsche Vermittlungsinfrastruktur, über die Fachverfahren Nachweisdaten aus Registern abrufen können – mit Einwilligung der betroffenen Person und gesteuert über ein Datenschutz-Cockpit. Das Bundesverwaltungsamt (BVA) betreibt die zentrale Lösung und stellt die Registerlandkarte sowie die Einwilligungsinfrastruktur bereit. Die ersten produktiven Nachweisdatenabrufe über NOOTS wurden im Frühjahr 2026 als Meilenstein gemeldet.

Kerntreiber dieses Ansatzes sind der IT-Planungsrat, die FITKO, das BMI und das BVA. Der Registerpfad eignet sich insbesondere für Szenarien, in denen Echtzeit-Daten aus autoritativen Quellen benötigt werden – etwa bei der Antragsbearbeitung, bei der die Behörde aktuelle Meldedaten, Handelsregisterdaten oder Führerscheindaten direkt aus dem Register abruft.

2.2 Typische Szenarienfeedback

  • Verwaltungskund:innen rufen Nachweise und Daten aus Registern ab bzw. genehmigen diese Abrufe durch Behörden.
  • Eine Behörde fragt aktuelle Meldedaten über NOOTS aus dem Melderegister ab, um einen Antrag zu bearbeiten.
  • Ein EU-Mitgliedstaat fragt über EU-OOTS einen Nachweis aus einem deutschen Register ab.
  • Bürger:innen nutzen das Datenschutz-Cockpit, um Einwilligungen zu erteilen, einzusehen oder zu widerrufen.
Wallet-basierte Nachweisvorlage

Alternativ zum Registerabruf können Bürger:innen Nachweise (z. B. Meldebescheinigung, Führerschein) als Verifiable Credentials aus ihrer EUDI-Wallet selbstbestimmt vorlegen – siehe Digitale Brieftasche (DBT).

Die folgende Tabelle definiert die wesentlichen Fachbegriffe im Kontext des Nachweisdatenabrufs. Die Terminologie orientiert sich an den gesetzlichen Grundlagen (RegMoG, SDG-VO).

BegriffDefinition
NOOTSNational Once Only Technical System – die deutsche Umsetzung der technischen Vermittlungsinfrastruktur für das Once-Only-Prinzip nach SDG-VO
Once-Only-PrinzipGrundsatz, dass Bürger:innen und Unternehmen Daten, die der Verwaltung bereits vorliegen, nicht erneut einreichen müssen
SDG-VOSingle Digital Gateway Verordnung (EU 2018/1724) – schafft ein einheitliches digitales Zugangstor zu Verwaltungsleistungen in der EU
RegMoGRegistermodernisierungsgesetz – nationale Rechtsgrundlage für die Modernisierung und Vernetzung der Register in Deutschland
EU-OOTSEU Once Only Technical System – europäische Vermittlungsinfrastruktur für grenzüberschreitenden Nachweisaustausch
RegisterlandkarteÜbersicht aller nachweiserbringenden Register in Deutschland mit Metadaten und Schnittstellen
Datenschutz-CockpitWerkzeug für Bürger:innen zur transparenten Einsicht und Steuerung von Registerabrufen
IDNrIdentifikationsnummer – registerübergreifendes Ordnungsmerkmal gemäß RegMoG
EUDI-WalletEuropean Digital Identity Wallet – staatliche digitale Brieftasche gemäß eIDAS 2.0, siehe Digitale Brieftasche (DBT)

settings 4 Kernfunktionalitätenfeedback

Die Kernfunktionalitäten beschreiben die wesentlichen Leistungsmerkmale des Bausteins.

  • Informationsvermittlung: Daten und Nachweise werden unmittelbar von autorisierter Quelle (z. B. einem Register) abgerufen
  • Austausch-Gateway: Nachweiserbringende Register können über standardisierte Schnittstellen angebunden werden
  • Identitätsabruf: Eindeutige Identifikation der betroffenen Person über IDNr oder vergleichbare Kennungen
  • Datenschutz-Cockpit: Transparente Darstellung und Steuerung aller Registerabrufe durch Betroffene
  • Registerlandkarte: Verzeichnis aller angebundenen Register mit Metadaten, Erreichbarkeit und Schnittstellen
  • EU-OOTS-Anbindung: Grenzüberschreitender Nachweisaustausch auf nationaler und europäischer Ebene
  • Integrationsschnittstellen: Standardisierte APIs für Fachverfahren und Antragsportale

shield 5 Querschnittsanforderungenfeedback

Die Querschnittsanforderungen gelten pfadübergreifend für alle Realisierungsvarianten des Nachweisdatenabrufs. Sie leiten sich aus DSGVO, IT-Grundschutz und den spezifischen regulatorischen Vorgaben ab.

5.1 Datenschutz und Datensouveränitätfeedback

AnforderungBeschreibung
EinwilligungJeder Datenabruf erfordert eine explizite, informierte Einwilligung der betroffenen Person
TransparenzBetroffene können jederzeit einsehen, welche Daten wann von wem abgerufen wurden (Datenschutz-Cockpit)
DatenminimierungEs werden nur die für den konkreten Verwaltungszweck erforderlichen Daten abgerufen
ZweckbindungAbgerufene Daten dürfen ausschließlich für den angegebenen Verwaltungszweck verwendet werden
WiderrufErteilte Einwilligungen können jederzeit widerrufen werden

5.2 Sicherheitfeedback

AnforderungBeschreibung
VerschlüsselungEnde-zu-Ende-Verschlüsselung aller Nachweisdaten im Transit (TLS 1.3+)
IntegritätssicherungKryptographische Signaturen sichern die Unverfälschtheit der Nachweisdaten
AuthentifizierungGegenseitige Authentifizierung aller beteiligten Systeme (mTLS, SPIFFE)
ProtokollierungRevisionssichere Protokollierung aller Abrufe und Präsentationen
Replay-SchutzPresentations sind transaktionsgebunden und nicht wiederverwendbar

5.3 Interoperabilitätfeedback

AnforderungBeschreibung
EU-KonformitätKompatibilität mit EU-OOTS für grenzüberschreitende Nachweisabrufe
Offene StandardsAusschließlich Nutzung offener, herstellerunabhängiger Standards (XÖV, REST)

checklist 6 Funktionale Anforderungenfeedback

Die funktionalen Anforderungen beschreiben die konkreten Fähigkeiten, die der Baustein bereitstellen muss. Sie leiten sich aus dem OZG-Rahmenarchitektur-Funktionsbaustein „Abruf und Bereitstellung von Daten und Nachweisen" sowie dem GovStack Digital Registries Building Block ab.

AnforderungStatus
Abruf von Nachweisdaten aus angebundenen Registern über NOOTSIn Umsetzung
Einwilligungsmanagement mit Datenschutz-CockpitIn Umsetzung
Registerlandkarte mit Metadaten und SchnittstellenbeschreibungIn Umsetzung
EU-OOTS-Anbindung für grenzüberschreitende AbrufeGeplant
Protokollierung aller Abrufe (Audit-Trail)In Umsetzung
Hohe Datenqualität durch Abruf aus vertrauenswürdigen QuellenIn Umsetzung

database 7 Datenstrukturenfeedback

Die Datenstrukturen beschreiben die relevanten Datenformate und -modelle für den Nachweisdatenabruf über NOOTS.

DatenstrukturStandardBeschreibung
XNachweisXÖVStandardisiertes Nachweisformat für den Austausch über NOOTS
DVDV-EintragDVDVAdressierungsinformation im Deutschen Verwaltungsdiensteverzeichnis
RegistereintragRegisterspezifischFachliche Datenstruktur des jeweiligen Registers (z. B. Meldedaten, Handelsregisterdaten)
EinwilligungsobjektNOOTS-internDokumentiert die erteilte Einwilligung mit Zeitstempel, Zweck und Umfang

api 8 Service-Schnittstellenfeedback

Die Service-Schnittstellen definieren die Protokolle, über die der Baustein mit Registern und Fachverfahren kommuniziert.

SchnittstelleRichtungProtokollBeschreibung
NOOTS-APIFachverfahren → NOOTSREST/HTTPSAnforderung von Nachweisdaten aus Registern
Register-AdapterNOOTS → RegisterXÖV / RESTStandardisierte Anbindung nachweiserbringender Register
Einwilligungs-APIDatenschutz-Cockpit → NOOTSREST/HTTPSVerwaltung von Einwilligungen und Transparenzprotokollen
EU-OOTS-GatewayNOOTS → EU-OOTSeDelivery (AS4)Grenzüberschreitender Nachweisabruf

account_tree 9 Interne Workflowsfeedback

Der Baustein ist in die Gesamtarchitektur des Deutschland-Stacks eingebettet und interagiert mit mehreren anderen Funktionsbausteinen. Die folgenden Abhängigkeiten zeigen die wichtigsten Verbindungen.

library_books 10 Weiterführende Informationen und Quellenfeedback

Dieser Abschnitt bündelt die normativen, technischen und organisatorischen Quellen zum Nachweisdatenabruf.

10.1 Normativer Rahmenfeedback

10.2 NOOTS und Registermodernisierungfeedback

10.3 Verwandte Bausteinefeedback

10.4 Nächste Schrittefeedback

  • NOOTS MVP-Pilotierung begleiten und Erfahrungen dokumentieren
  • EU-OOTS-Anbindung erproben
  • Mapping auf GovStack Digital Registries Conformance Tests