Fähigkeiten (Capabilities) in der Enterprise Architekturfeedback
Eine Fähigkeit (Capability) beschreibt, was eine Organisation leisten kann bzw. soll. Sie ist grundsätzlich unabhängig davon, wie (mit welchen Prozessen) oder womit (mit welcher IT) diese Leistung erbracht wird. Durch die Definition von Fähigkeiten wird die gesamte IT-Landschaft strukturiert und systematisch an den übergeordneten Zielen der Organisation ausgerichtet.

Anhand eines großen Portfolios, das beispielsweise 8.000 IT-Lösungen und 6.000 unterschiedliche Technologien umfasst, wird ersichtlich: Ohne eine Strukturierung nach Fähigkeiten verliert eine Organisation schnell den Überblick, baut redundante Systeme auf (Schatten-IT) und bindet massiv Ressourcen.
apps Aufbau der Capability Map für die Verwaltungfeedback
Die obige Abbildung zeigt eine strukturierte Capability Map, die speziell auf den Kontext der föderalen und nationalen Modernisierungsagenden des Bundes zugeschnitten ist. Sie gliedert sich klassisch in drei große Schichten:
1. Strategie, Planen und Steuern (Management-Fähigkeiten)feedback
In dieser obersten Ebene sind die übergeordneten Steuerungsmechanismen verankert. Dies umfasst klassische Planungs- und Lenkungsaufgaben wie:
- Vision
- Architektur- und Prozessmanagement
- Portfoliomanagement
- Rahmenplanung und Controlling
Sie stellen sicher, dass die Agenden von Bund und Ländern aufeinander abgestimmt sind und strategisch bewertet werden.
2. Verwaltungsleistungen (Kern-Fähigkeiten)feedback
Hierbei handelt es sich um die Domänen bzw. die primären Zuständigkeitsbereiche der Ressorts (z. B. Inneres, Finanzen, Gesundheit, Verteidigung, Justiz). Jede dieser Kacheln fasst die Ministerien-spezifischen Kernkompetenzen zusammen, die der Staat zur Erfüllung seines gesetzlichen Auftrags gegenüber Gesellschaft und Wirtschaft benötigt.
3. Unterstützende und Querschnitts-Fähigkeitenfeedback
Im unteren Block befinden sich jene Fähigkeiten, die Domänen-unabhängig von allen Fachbereichen benötigt werden. Sie sind prädestiniert dafür, als ressortübergreifende Shared Services angeboten zu werden. Dazu gehören:
- Produkte und Services: Produktmanagement, Entwicklung, Support.
- Elektronische Verwaltungsarbeit: Daten- und Dokumentenmanagement (E-Akte), Politik und Normsetzung, behördliche Zusammenarbeit.
- E-Government: OZG-Umsetzung, Open-Government, zentrale Portale und föderale E-Gov-Basisdienste.
- Enterprise Ressource Planning (ERP): Querschnittsprozesse wie Haushaltsführung, Logistik und Personal(verwaltung).
- Infrastruktur und IT-Betrieb: Die rein technische Basis, also Arbeitsplatz-, Betriebs-, Kommunikations- und Sicherheitsinfrastrukturen.
Das Federal Enterprise Architecture Framework (FEAF) als Referenzfeedback
Die gezeigte Landkarte orientiert sich konzeptionell stark an bewährten internationalen Architektur-Frameworks, insbesondere dem Federal Enterprise Architecture Framework (FEAF), das in den späten 1990er Jahren für die US-Bundesregierung entwickelt wurde.
Das FEAF wurde mit genau dem Ziel erschaffen, die IT-Architekturen einer sehr großen, diversifizierten Regierung (ähnlich der föderalen Landschaft in Deutschland) zu vereinheitlichen, Silos aufzubrechen und die behördenübergreifende Zusammenarbeit zu stärken.
Kompatibilität zum FEAF Business Reference Model (BRM)feedback
Das FEAF nutzt ein sogenanntes Business Reference Model (BRM), das bemerkenswerte Parallelen zu unserer Abbildung aufweist. Das BRM organisiert das Handeln der Regierung exakt in die drei genannten Ebenen, unabhängig von den ausführenden Behörden:
- Services for Citizens (Kernleistungen): Entspricht der Ebene der Verwaltungsleistungen (Inneres, Verkehr, Wirtschaft etc.).
- Support Delivery of Services (Unterstützung): Entspricht Bereichen wie ERP, Elektronische Verwaltungsarbeit und Produkte & Services.
- Management of Government Resources (Steuerung): Entspricht der Ebene Strategie, Planen und Steuern.
Warum ist FEAF hierfür das beste Beispiel?feedback
Eine Capability Map wie beim FEAF etabliert eine gemeinsame architektonische Sprache. Wenn das Gesundheitsministerium und das Innenministerium beide ein IT-Projekt starten, können Architekten durch den Blick auf die Capability Map erkennen: Beide entwickeln Funktionalitäten für das Daten- und Dokumentenmanagement und greifen auf die Sicherheitsinfrastruktur zu.
Durch dieses strukturierte "Was" lassen sich Redundanzen in der Regierung vermeiden ("Build Once, Use Many"), IT-Budgets (im Beispiel 10 Mrd. Euro) effizienter steuern und flächendeckende IT-Standards besser vorgeben. Im Kontext der Föderalen Modernisierungsagenda ist dieser fähigkeitsbasierte Ansatz der absolute Best-Practice-Schlüssel, um die hochkomplexe Systemlandschaft in Deutschland beherrschbar zu machen.