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work Funktionsbaustein: Digitale Brieftaschefeedback

EigenschaftWert
KennungDArch-FBS-DBT
HauptfähigkeitInfrastruktur und IT-Betrieb
GeschäftsfähigkeitSicherheitsinfrastruktur
KategorieZugang & Interaktion
Version0.3 (06.05.2026)
GovStack-MappingWallet Building Block (v1.1, Dezember 2025)
ReferenzstandardseIDAS 2.0, OpenID4VP, OpenID4VCI, SD-JWT VC, ISO 18013-5
Open-Source-ReferenzOpenWallet Foundation, walt.id

summarize 1 Management Summaryfeedback

Die Digitale Brieftasche (DBT) stellt den zentralen Funktionsbaustein des Deutschland-Stacks für die Verwaltung digitaler Identitätsnachweise dar. Ab 2026 müssen EU-Mitgliedstaaten ihren Bürger:innen eine EUDI Wallet bereitstellen – der Baustein schafft die technische Grundlage für die Integration in die deutsche Verwaltungslandschaft. Er ermöglicht Verwaltungsdiensten die Annahme und Prüfung von Verifiable Credentials, selektive Attributfreigabe sowie grenzüberschreitende Interoperabilität über eIDAS-2.0-Knoten.

description 2 Beschreibungfeedback

Der Baustein modelliert das Vertrauensdreieck aus Aussteller (Issuer), Inhaber:in (Holder) und Verifikator (Verifier) gemäß dem europäischen Identitätswallet-Ökosystem. Er bildet die Brücke zwischen behördlicher Nachweisausstellung und der datenschutzkonformen Vorlage digitaler Credentials gegenüber Fachanwendungen und Portalen. Die BMDS/SPRIND-Sandbox bietet seit Januar 2026 eine nationale Testumgebung für PID- und EAA-Anwendungsfälle.

RolleBeschreibungBeispiele
Aussteller (Issuer)Behörden und autorisierte Stellen, die digitale Nachweise ausstellenPersonalausweis (BDR), Führerschein (KBA), Meldebescheinigung
Inhaber:in (Holder)Bürger:innen, die Nachweise in ihrer Wallet verwaltenEUDI Wallet auf Smartphone
Verifikator (Verifier)Stellen, die vorgezeigte Nachweise prüfenFachanwendungen, Online-Portale, Vor-Ort-Prüfung

Die folgende Tabelle definiert die wesentlichen Fachbegriffe, die im Kontext des Wallet-Bausteins verwendet werden. Die Terminologie orientiert sich an den eIDAS-2.0-Definitionen sowie den GovStack- und OpenID-Spezifikationen.

BegriffDefinition
Verifiable Credential (VC)Kryptographisch gesicherter digitaler Nachweis, der von einem Issuer ausgestellt und von einem Verifier geprüft werden kann
Verifiable Presentation (VP)Zusammenstellung eines oder mehrerer VCs, die ein Holder einem Verifier vorlegt
HolderEntität (Bürger:in), die Credentials in ihrer Wallet speichert und selektiv vorzeigt
IssuerVertrauenswürdige Stelle, die digitale Nachweise ausstellt und signiert
Verifier (Relying Party)Stelle, die eine Presentation anfordert, empfängt und kryptographisch prüft
Selective DisclosureMechanismus, bei dem nur ausgewählte Attribute eines Credentials offengelegt werden
SD-JWT VCCredential-Format auf Basis von Selective Disclosure JSON Web Tokens
PIDPerson Identification Data – Basisdatensatz der digitalen Identität (Name, Geburtsdatum, Nationalität)
EAAElectronic Attestation of Attributes – Elektronischer Nachweis einzelner Attribute (z. B. Führerscheinklasse)
EUDI WalletEuropean Digital Identity Wallet – die gemäß eIDAS 2.0 vorgeschriebene staatliche digitale Brieftasche
Trust InfrastructureVertrauensinfrastruktur zur gegenseitigen Verifikation von Issuer, Holder und Verifier
Cryptographic Holder BindingKryptographische Bindung eines Credentials an den Schlüssel des Holders

settings 4 Kernfunktionalitätenfeedback

Die Kernfunktionalitäten beschreiben die wesentlichen Leistungsmerkmale, die der Baustein bereitstellt. Sie decken den gesamten Lebenszyklus eines digitalen Nachweises ab – vom Empfang über die Verwaltung bis zur Präsentation.

  • Empfang und sichere Speicherung digitaler Nachweise über OpenID4VCI
  • Verwaltung mehrerer Credential-Typen (Personalausweis, Führerschein, Qualifikationsnachweise, Gesundheitsdaten)
  • Löschung, Erneuerung und Statusprüfung von Credentials
  • Validierung des Issuers über Trust Infrastructure vor Speicherung
  • Kryptographische Bindung der Credentials an den Holder (Cryptographic Holder Binding)
  • Selektive Offenlegung einzelner Attribute (Selective Disclosure)
  • Pseudonyme Identifikation – Holder kann Pseudonym statt Realidentität vorzeigen
  • QR-Code-, NFC- und Online-basierte Präsentation über OpenID4VP
  • Explizite Einwilligung (Consent) des Holders vor jeder Präsentation
  • Schutz vor Replay-Angriffen durch transaktionsgebundene Presentations
  • Hardware-gesicherte Schlüsselspeicherung (Secure Element / TEE)
  • Biometrische Freigabe und Gerätebindung
  • Statusabfragen (Revocation Check) ohne Preisgabe von Presentation-Details an den Issuer
  • Nachweisprüfung für grenzüberschreitende Nutzungsszenarien

shield 5 Querschnittsanforderungenfeedback

Querschnittsanforderungen definieren nicht-funktionale Eigenschaften, die für alle Funktionalitäten des Bausteins verbindlich gelten. Sie betreffen insbesondere Datenschutz, Sicherheit und Interoperabilität und leiten sich aus eIDAS 2.0, der DSGVO sowie dem IT-Grundschutz ab.

5.1 Trust Infrastructurefeedback

Die Vertrauensinfrastruktur stellt sicher, dass innerhalb des Issuer-Holder-Verifier-Dreiecks alle Parteien verifizierbar sind:

PrüfungBeschreibungVerbindlichkeit
Issuer → WalletIssuer prüft, ob Credential an vertrauenswürdige Wallet gehtRECOMMENDED
Wallet → IssuerWallet prüft, ob Issuer vertrauenswürdig istREQUIRED
Wallet → VerifierWallet prüft, ob Präsentation an vertrauenswürdigen Verifier gehtRECOMMENDED
Verifier → IssuerVerifier prüft, ob Credential von vertrauenswürdigem Issuer stammtREQUIRED

5.2 Datenschutz und Datenminimierungfeedback

AnforderungBeschreibung
UnobservabilityIssuer und Wallet-Provider können Nutzung der Credentials nicht verfolgen
UnlinkabilityPresentations sind nicht über Transaktionen hinweg korrelierbar
Data MinimisationSelective Disclosure und Pseudonymität als Standard
ConsentExplizite Einwilligung des Holders vor jeder Datenfreigabe

5.3 Sicherheitfeedback

AnforderungBeschreibung
Secure StorageHardware-backed (SE/TEE) Key- und Credential-Speicherung
Replay-SchutzTransaktionsgebundene Presentations verhindern Wiederverwendung
Holder BindingKryptographische Bindung an den Geräte-Schlüssel des Holders
Biometrische FreigabeZusätzliche Absicherung durch Gerätebindung und Biometrie

checklist 6 Funktionale Anforderungenfeedback

Die funktionalen Anforderungen leiten sich aus dem GovStack Wallet Building Block (v1.1) ab und definieren, welche Fähigkeiten der Baustein im Kontext des Deutschland-Stacks bereitstellen muss. Die Tabelle bildet das Mapping zwischen GovStack-Spezifikation und D-Stack-Umsetzung ab.

GovStack-FähigkeitD-Stack-UmsetzungStatus
Credential DiscoveryWallet hostet Credential-Offering-Endpoint; Issuer exponiert Metadata-EndpointGeplant
Credential IssuanceOpenID4VCI-Flow mit Holder-Authentifizierung und Wallet-ValidierungGeplant
Credential StatusesRevocation-Check ohne Tracking des IssuersGeplant
Credential ValidityWallet prüft Gültigkeit bei Zugriff und zeigt Status anGeplant
Presenting a CredentialOpenID4VP mit Selective Disclosure, Consent und Replay-SchutzGeplant
UnobservabilityIssuer/Wallet-Provider können Nutzung nicht verfolgenGeplant
UnlinkabilityPresentations nicht über Transaktionen korrelierbarGeplant
Data MinimisationSelective Disclosure + PseudonymitätGeplant
Secure StorageHardware-backed (SE/TEE) Key- und Credential-SpeicherungGeplant
Trust InfrastructureGegenseitige Verifikation im Issuer-Holder-Verifier-DreieckGeplant

database 7 Datenstrukturenfeedback

Die unterstützten Credential-Formate bestimmen, welche Arten digitaler Nachweise der Baustein verarbeiten kann. Die Auswahl orientiert sich an den eIDAS-2.0-Implementierungsakten und dem Architecture Reference Framework (ARF) der EU-Kommission.

FormatStandardAnwendungsfälle
SD-JWT VCIETF draft-ietf-oauth-selective-disclosure-jwtBehördennachweise, Attributsbescheinigungen
mdocISO/IEC 18013-5Führerschein (mDL), Reisedokumente
W3C VCW3C Verifiable Credentials Data ModelBildungsnachweise, berufliche Zertifikate
DTCICAO Digital Travel CredentialsGrenzüberschreitende Reisedokumente

api 8 Service-Schnittstellenfeedback

Die Service-Schnittstellen definieren die Protokolle, über die der Baustein mit Issuern, Verifiern und anderen Komponenten kommuniziert. Sie basieren auf den OpenID-Foundation-Spezifikationen und gewährleisten Interoperabilität innerhalb des europäischen Wallet-Ökosystems.

ProtokollZweckSpezifikation
OpenID4VCICredential Issuance (Issuer → Wallet)openid.net/specs/openid-4-verifiable-credential-issuance-1_0
OpenID4VPVerifiable Presentation (Wallet → Verifier)openid.net/specs/openid-4-verifiable-presentations-1_0
SIOPv2Self-Issued OpenID Provideropenid.net/specs/openid-connect-self-issued-v2-1_0
OIDC FederationVertrauensketten-ManagementOpenID Connect Federation 1.0

account_tree 9 Interne Workflowsfeedback

Der Baustein agiert nicht isoliert, sondern ist in die Sicherheits- und Identitätsinfrastruktur des Deutschland-Stacks eingebettet. Die folgenden Abhängigkeiten zeigen, welche Bausteine in den internen Workflow der Credential-Verarbeitung eingebunden sind.

  • Identity-Access-Management (SID): Relying Party, die Wallet-Credentials entgegennimmt und validiert
  • Single Sign-On für Behörden: OIDC-Login mit Wallet als Authentifizierungsmittel
  • Zero-Trust-Policy-Engine: Externalisierte Autorisierungsentscheidungen auf Basis von Wallet-Attributen
  • Machine Identity: Workload-Identitäten für sichere Backend-Kommunikation
  • Vertrauensdienste (TSP): Credential Issuer für qualifizierte elektronische Attestierungen

library_books 10 Weiterführende Informationen und Quellenfeedback

Dieser Abschnitt bündelt relevante Referenzimplementierungen, Pilotierungen und normative Quellen. Die aufgelisteten Projekte dienen als Orientierung für die D-Stack-Umsetzung und werden fortlaufend aktualisiert.

10.1 Referenzimplementierungenfeedback

ReferenzZweckStatusLink
Keycloak + EUDIW-PluginIAM-Integration für Wallet-Logins und VC-ChecksPilot (intern)TBD
OpenWallet FoundationOffene Referenzimplementierungen für Wallet-KomponentenAktivopenwallet.foundation
walt.id StackWallet, Issuer und Verifier ReferenzenAktivwalt.id
EUDI Wallet ReferenceEU-Referenzimplementierung der EUDI WalletAktiveu-digital-identity-wallet
SPRIND EUDI-Wallet SandboxNationale Testumgebung (BMDS/SPRIND) – Erprobung von PID und EAAAktivPressemitteilung, Ecosystem Knowledge Centre
MOSIP Inji WalletOpen-Source-Wallet für EntwicklungsländerAktivmosip.io

10.2 Normative Quellenfeedback

10.3 Nächste Schrittefeedback

  • Zielbild für Wallet-basierte Antragsstrecken definieren
  • Interoperabilität mit eIDAS-2.0-Wallet-Profilen bewerten
  • Integration des OpenID4VP-Flows in D-Stack IAM (Keycloak-Plugin)
  • Pilotierung mit EUDI Wallet Reference Implementation
  • Mapping auf GovStack Wallet BB Conformance Tests
  • Evaluierung Cloud-basierter vs. mobiler Wallet-Varianten

format_list_numbered 11 Verzeichnissefeedback

Die folgende Tabelle listet die im Dokument verwendeten Abkürzungen und Akronyme auf. Sie dient als Nachschlagewerk für Leser:innen ohne tiefgreifende Vorkenntnisse im Bereich Self-Sovereign Identity.

AbkürzungBedeutung
ARFArchitecture Reference Framework (EU-Kommission)
BDRBundesdruckerei
DBTDigitale Brieftasche (Baustein-Kennung)
DTCDigital Travel Credentials
EAAElectronic Attestation of Attributes
eIDASElectronic Identification, Authentication and Trust Services
EUDIEuropean Digital Identity
KBAKraftfahrt-Bundesamt
mDLMobile Driving Licence
OIDCOpenID Connect
OpenID4VCIOpenID for Verifiable Credential Issuance
OpenID4VPOpenID for Verifiable Presentations
PIDPerson Identification Data
SD-JWTSelective Disclosure JSON Web Token
SESecure Element
SIOPv2Self-Issued OpenID Provider v2
SPIFFESecure Production Identity Framework for Everyone
TEETrusted Execution Environment
TSPTrust Service Provider
VCVerifiable Credential
VPVerifiable Presentation